Elbebiber

Reisebericht einer 14-tägigen Urlaubsreise nach Luxor / Ägypten
von: Susann Tittmann und Dr. Jörg Teumer Reisezeit: 01. bis 15.01.2009

Der nachfolgende Reisebericht richtet sich an Leute, die eine zweiwöchige Urlaubsreise nach Luxor in Ägypten planen. Er wendet sich definitiv nicht an Urlauber, die von Hurghada oder anderen Badeorten am Roten Meer einen von Reiseveranstaltern organisierten „Abstecher“ nach Luxor unternehmen wollen und auch nicht an die Teilnehmer einer Nilkreuzfahrt, die einen freien Tag „füllen“ müssen. Der Grund für diesen Reisebericht ist, dass es im Internet keinerlei entsprechende Reiseberichte gibt und Urlauber nur über Ihre Kurzaufenthalte im Zuge geführter Hotelausflüge berichten. Zu den nachfolgend beschriebenen Wander- und Fahrradausflügen gibt es zudem kaum brauchbare Informationen in den gängigen Reiseführern. Auch vor Ort sucht man hierzu meist vergebens.

Die Informationen zu den von uns besuchten Sehenswürdigkeiten halten wir bewusst kurz, da alles andere den Rahmen sprengen und den Leser eher ermüden würde.

Ein Großteil der von uns beschriebenen Wanderungen und Radtouren wird sich nur in den Wintermonaten verwirklichen lassen, da ansonsten die Temperaturen ausgedehnte Touren über die Berge auf der Westseite des Nils bzw. umfassende Tempelbesichtigungen kaum zulassen dürften. Nähere Informationen zu den einzelnen beschriebenen Sehenswürdigkeiten können in Reiseführern oder im Internet nachgelesen werden, wobei durch uns teilweise Verlinkungen zu lesenswerten Seiten vorgenommen werden.

Vorab noch: Die Reiseführer „Luxor und das Tal der Könige“ von Kent R. Weeks (ca. 30 Euro) und „Ägypten“ von Vis-A-Vis (ca. 20 Euro) waren unsere ständigen Begleiter. Erstgenannter Reiseführer dürfte – wenn man sich ernsthaft mit der Geschichte der dortigen Sehenswürdigkeiten beschäftigen will – unentbehrlich sein!

Tag 1: 01.01.2009: Ankunft im Al-Gezira-Hotel

Nach durchzechter Silvesternacht und anschließendem Flug mit Air Berlin zum neuerbauten und hochmodernen Flughafen von Luxor checkten wir nachmittags im Al-Gezira-Hotel ein.

Das Al-Gezira-Hotel ist ein kleines Hotel mittleren Standards auf der Westseite des Nils (sog. Westbank), nahe der Fähre, das von einem Ägypter geleitet wird, der mit einer deutschen Frau verheiratet ist. Es liegt an einem Nilarm keine 100 Meter vom Nil entfernt. Das Hotel bietet zwar nur bescheidenen Komfort, ist jedoch sauber und die Zimmer (inklusive Bad mit Dusche oder Wanne) sind zweckmäßig und gemütlich eingerichtet. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man mit dem freundlichen Personal alle möglichen Fragen und Probleme anstandslos klären und sich wichtige Tipps zu Ausflügen erholen kann. Zudem bietet die Dachterrasse einen herrlichen Blick auf den auf der anderen Nilseite liegenden Luxor- Tempel und werden im hoteleigenen Restaurantbetrieb gute ägyptische Speisen zubereitet. Auch kann man dort alkoholische Getränke genießen (was in Ägypten eher der Ausnahmefall ist).

Aufgrund unserer starken Übermüdung war an diesem ersten Tag nicht mehr als ein kurzer Bummel am Nil entlang drin. Ansonsten war zeitiges Schlafen angesagt.


Tag 2: Luxor-Tempel und Felukenfahrt zu „Banana-Island“

Am zweiten Tag ging es mit der öffentlichen Fähre zur Ostseite des Nils, der sog. Ostbank, wo die Besichtigung des Luxor-Tempels anstand. Der Luxor- Tempel befindet sich mitten im Herz der 150.000 Einwohner-Stadt Luxor. Rundherum tobt der Straßenverkehr, was der Substanz des Tempels kaum förderlich sein dürfte. 

Der Bau des Luxor- Tempel wurde durch Pharao Amenophis III. begonnen und von Ramses II. vollendet. Er ist Amun, Mut und Khonsu, der Göttertriade von Theben geweiht. Umfassende Informationen zum Luxor-Tempel sind im oben genannten Buch von Kent R. Weeks zu finden.

Obwohl der Tempel von außen betrachtet recht klein und übersichtlich aussieht, sollte man gut 3 Stunden Zeit einplanen. Dabei kann man - wie wir - versuchen, die von Kent R. Weeks abgebildeten Hieroglyphen an den Tempelwänden zu finden. Die Tempelwände bieten hervorragenden Detailbeschreibungen u.a. zum Opetfest. Sie sollten nicht gleich aufgeben, wenn Sie nicht alles auf Anhieb finden. Herr Weeks verwechselt gern ost und west sowie links und rechts. Im Zweifelsfall schauen Sie sich einfach in der entgegengesetzten Richtung um.



Am Nachmittag unternahmen wir eine Fahrt mit einer Feluke zum so genannten Banana-Island, das sich letztlich – wie eigentlich auch erwartet – als Touristennepp entpuppte. „Banana-Island“ ist eine kleine Halbinsel auf der „Westbank“ (einige Kilometer südlich des Fähranlegers), auf dem sich eine kleine Bananenanpflanzung in der Größenordnung eines Mensaraumes und ein Baby- Krokodil in einer Art umsperrter Gartenteich befinden. Nichtsdestotrotz sollte der Ausflug auf dem Urlaubstripp nicht fehlen, da auf jeden Fall die Fahrt mit der Feluke in den Sonnenuntergang hinein ein einzigartiges Erlebnis ist. Für Bananenfans gibt es zudem auf der Halbinsel reichlich Bananen zu essen. Die Preise für die Felukafahrt liegen bei ca. 60 Pfund (ca. 8 Euro) pro Boot.



Abschließend besuchten wir noch den großen Basar von Luxor. Der Gang über den Bazar ist ein Spießrutenlauf. Jeder Händler will natürlich allen möglichen Plunder für völlig überhöhte Preise an den Mann bzw. an die Frau bringen. Anstrengend ist auch die Frage nach dem Preis. Oft werden Waren in wenigen Pfund ausgerufen, was zunächst verlockend klingt. Erst im weiteren Verlauf wird der Nepp aufgedeckt, da der Händler englische Pfund gemeint haben will. Dabei hat der Händler regelmäßig überhaupt keine Ahnung, welche Umrechnungskurse für das englische Pfund gelten und stellt einen fiktiven Umrechnungskurs in den Raum, der jenseits von gut und böse liegt. Für Europäer dürfte es anfangs ungewohnt sein und unhöflich wirken, wenn man auf ein „Hello“ oder „Guten Tag“ nicht antwortet. Dennoch sollten Sie aufs Antworten, Blickkontakte oder das höfliche „La, shoukran“ verzichten, wenn Sie auf dem Basar auch nur 10 Meter weiterkommen wollen ohne die Nerven komplett zu verlieren. Hier heißt es: Cool bleiben und einfach weitergehen, wenn man nicht (oder nicht mehr) handeln will.


Tag 3: Memnon- Kolosse; Tal der Königinnen und Hatschepsut- Tempel

An unserem dritten Urlaubstag kam uns der Vorteil zugute, auf der Westseite des Nils zu wohnen. Wir liehen wir uns über unser Hotel zwei Fahrräder zu je 15 Pfund (also ca. 2 Euro) aus und begaben uns auf Entdeckungstour. Es gibt nur eine große Hauptstraße, die auf der Westbank vom Nil bis zu wirklich allen Sehenswürdigkeiten reicht. An den Kreuzungen sind große Hinweisschilde angebracht – verfahren kann man sich nicht.

Unsere erste Station waren die Memnon- Kolosse, zwei ca. 18 Meter hohe Sitzfiguren von Amonhotep III., die Überreste dessen einst 385.000 Quadratmeter umfassenden Totentempels.



Natürlich besichtigten wir auch das hinterwärtige Ausgrabungsfeld, wo unterdessen umfangreiche Teile des Tempels freigelegt wurden. Dieses ist zwar für Touristen grundsätzlich nicht zugänglich, aber gegen geringfügiges Bakshisch (2 Euro) öffnen sich meist auch nicht zugängliche Bereiche. Umfassende Informationen zu dieser Tempelanlage finden sich wiederum im Buch von Kent R. Weeks.

Der Ticketschalter befindet sich an der ersten großen Kreuzung nach den Memnonkolossen, an der Kreuzung, die zum Tal der Königinnen und zum Tal der Könige abgeht.

Im Anschluss daran begaben wir uns zum Tal der Königinnen, indem sich die Gräber vieler Königinnen, Prinzessinnen und Prinzen der 18. bis 20. Dynastie befinden. Beim Kauf der Eintrittskarte ist der Besuch von drei Gräbern inbegriffen. Jedoch kann das berühmte Grab der Nefertari, der Gattin von Ramses II. gegenwärtig von „Normaltouristen“ wegen Restaurationsarbeiten nicht besichtigt werden. Ausnahmegenehmigungen würden angeblich in Kairo gegen horrente Summen von bis zu 3.000 Euro erteilt. Genaueres konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Diese Grabanlage blieb für uns jedenfalls verschlossen. Da halfen auch Bakshisch- Angebote nicht weiter.

Am Nachmittag besuchten wir dann den Hatschepsut-Tempel, der vor einigen Jahren der Schauplatz blutiger Anschläge auf eine Schweizer Reisegruppe war. Die Karten werden hier direkt vor Ort verkauft. Hier hatten wir es mit unserem liebgewonnen Hieroglyphen-Suchspiel erheblich schwerer, was seinen Grund zum einen in den weitläufigen Absperrungen (besonders in der mittleren Kolonnade) und zum anderen in der seiten- und spiegelverkehrten Darstellung in Weeks Buch hatte. Für die Besichtigung sollten Sie ca. 2 Stunden einplanen.

Es ist vollkommen unproblematisch, die Räder vor den einzelnen Sehenswürdigkeiten abzustellen und abzuschließen (Schloss nicht vergessen! Wir haben es mit den Rädern zusammen bekommen). Es findet sich wie selbstverständlich immer ein Wächter oder Polizist, der Ihnen verspricht, besonderes Augenmerk gerade auf Ihre Räder zu haben – ohne dass Sie nachfragen müssten. Selbstverständlich erwartet der Aufpasser bei Ihrer Weiterfahrt eine kleine Aufmerksamkeit...

Obwohl das Land flach wirkt und man nur kleine Steigerungen sieht, waren wir froh, abends die Räder abgeben zu können.

Tag 4: Karnak- Tempel und Ton- und Licht- Show

Unser vierter Urlaubstag gehörte dem Karnak- Tempel, der größten vorhandenen Tempelanlage in Ägypten. Der Komplex nimmt 2 Quadratkilometer ein und ist das Produkt mehr als 2000-jähriger Bauzeit. Die kolossalen Statuen und Säulen machen den Karnak- Tempel unzweifelhaft zur beeindruckendsten Tempelanlage in Luxor. Er ist ein „Muss“ eines jeden Ägypten- Urlaubs.

Man kann unzählige Bücher zum Karnaktempel lesen oder jede Reportage anschauen -einen wirklichen Eindruck von Größe, Ausstrahlung und Geschichte wird man aber nur bekommen, wenn man direkt davor steht. Die Gefühle sind schlichtweg überwältigend. Nachdem Sie den neuerbauten Platz vor der ersten Einlasskontrolle und selbige überquert haben, sollten Sie sich die Zeit nehmen und auf der Treppe ein paar Minuten dieses Bauwerk auf sich wirken lassen.

Für unseren „Karnak-Tag“ haben wir wirklich den ganzen Tag geplant –Tempelanlage, kurze Pause außerhalb zum Essen und abends die Ton- und Lichtshow. Und ehrlich gesagt, wenn dieser Tag mehr Stunden gehabt hätte, wir hätten sie in Karnak verbringen können.

Führungen sind prinzipiell nicht notwendig, besonders dann nicht, wenn man das Buch mithat. Jedoch ist es überaus unterhaltsam, witzig und verschafft einen Gesamtüberblick, wenn man sich auf kurzes Nachfragen einer Führung anschließt und im Anschluss alles erneut erkundet.

Für uns beide war es nicht das erste Mal, dass wir in Karnak weilten und so hat uns der enorme Fortschritt der Ausgrabungen und Rekonstruktionen beeindruckt. Zonen, die vor 2 Jahren noch für den Tourismus gesperrt waren, waren diesmal frei zugänglich. Erschreckend und abstoßend sind jedoch der Müll, Dreck und die „wilden Toiletten“. Es ist für uns unbegreiflich, wie man Abertausende Dollar (die ja rein rechnerisch durch die Einnahmen für den Eintritt erzielt werden sollten) für Ausgrabungen und Erhalt ausgeben kann, nicht jedoch Mülleimer aufstellt oder das Wegwerfen von Plasteflaschen und –müll kontrolliert und sanktioniert. Ganze Räume des Tempels, besonders natürlich diejenigen, die kleiner sind und abseits des Gebietes liegen, die ein Durchschnittstourist im Rahmen der Führung oder der halben Stunde Freizeit besichtigen kann, sind vermüllt oder stinken bestialisch nach Urin.

Der Abend gehörte der weltberühmten Ton- und Lichtshow im Karnak- Tempel, in der die Geschichte Ägyptens vermittelt wird. Wichtig ist es, die Eintrittskarte direkt vor Ort am Ticket- Kiosk des Karnak-Tempels zu kaufen. Dort kostet sie umgerechnet ca. 9 Euro. Kauft man die Eintrittskarte in einem Reisebüro vor Ort fallen locker die 3- bis 4fachen Preise an. Auch sollte man sich vorher genau orientieren, wann die Vorstellungen in deutscher Sprache laufen, will man die Vorstellung nicht überraschend auf italienisch oder französisch hören.


Bedauerlicherweise gibt es im Karnak-Tempel kein Restaurant sondern nur ein Cafe, in dem man auch nur Getränke oder Eis kaufen kann. Zwischen dem Besuch des Karnak- Tempels und der Ton- und Licht- Show sollte man einen etwas weiteren Weg einplanen, wenn man etwas Vernünftiges essen will. Das einzige vor dem Karnak-Tempel befindliche Restaurant, die sogenannte Africano-Bar, bietet nur billigen Fraß zu überteuerten Preisen, den man in Deutschland auch an einem Imbissstand unterster Qualität vorfinden kann.


Tag 5: Deir el Medina; Tal der Könige; Gräber der Adligen

An diesem Tag besichtigten wir zunächst das ehemalige Arbeiterdorf Deir el Medina. Hier lebten einst die Arbeiter und Künstler, welche die Gräber im Tal der Könige schufen. Am Nordende des Dorfes befindet sich der Ptolemäische Tempel, der den Göttinen Hathor und Maat geweiht war, weitere Ausgrabungen sowie Gräber aus der letzten Dekade Amenophis III.



Von dort aus wanderten wir über die Berge zum
Tal der Könige. Die Wanderung beginnt kurz nach der Zufahrtsstraße zum Tal der Königinnen am Eingang zum Arbeiterdorf Deir el Medina über eine Steintreppe, die nicht zu übersehen ist.



Die Steintreppe führt auf halbem Wege zu einer Armeestation und weiter zum Gipfel eines Berges, an dem sich eine weitere Armeestation befindet. Vom Gipfel des Berges hat man phantastische Ausblicke auf das Tal der Könige.



Der Weg zum Gipfel und vom Gipfel zum Tal der Könige ist jedoch beschwerlich. Aus diesem Grunde bietet es sich an, auf halbem Wege zwischen den beiden Armeestationen die Treppen zu verlassen und einen gut sichtbaren Pfad nach rechts zu nehmen, der sich im weiteren Verlauf teilt. Ein Pfad führt zum Tal der Könige, der andere Pfad zum Hatschepsut- Tempel. Wie man auch immer geht, die Ausblicke sind atemberaubend. Obwohl die Wege nicht ausgeschildert sind, man an manchen Gabelungen nach dem Zufallsprinzip den richtigen Weg wählen muss und die Wege teilweise nicht breiter als 50 cm sind, kann man sich nach unserer Meinung nicht wirklich verlaufen.

Bei diesem Ausflug entschieden wir uns, den Weg zum Tal der Könige einzuschlagen. Dabei kann man so gehen, dass man mitten im Tal der Könige herauskommt und damit den Eintritt spart. Jedoch kann man dann auch keine Gräber besichtigen, da der Eintritt in die Gräber die Vorlage der Eintrittskarte voraussetzt, auf der die Gräberbesuche abgestanzt werden. Im Rahmen der Eintrittskarte, die man auch vor Ort (und nicht nur am Ticketschalter) kaufen kann, sind drei Gräberbesuche inbegriffen.


Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Gräber der Adligen, die sich auf der Westseite der Hauptstraße zwischen dem Tal der Könige und dem Tal der Königinnen befinden. Dabei handelt es sich um dekorierten Privatgräber, in denen die Angehörigen der ägyptischen Oberschicht bestattet wurden. Auf der „Westbank“ gibt es über 400 dieser bunt dekorierten Gräber, die im Gegensatz zu den Pharaonengräbern keine religiösen Geschichten erzählen, sondern Bilder aus dem Leben des Grabinhabers im alten Ägypten widergeben. Diese sind in der Regel zwar nicht so groß wie Pharaonengräber, übertreffen diese aber in puncto Farbgestaltung und Detailgenauigkeit. So kann man einzelne Pinselstriche und teilweise ganze Geschichten an den Wänden wahrnehmen.

Die Tickets muss man im Übrigen am Ticketschalter (erste große Kreuzung nach den Memnonkolossen) kaufen, wobei ein Ticket den Besuch von 3 Gräbern beinhaltet. Wer mehr als diese 3 Gräber sehen möchte, muss entsprechend mehrere Karten kaufen.


Tag 6: Pool und Eselreiten

Der sechste Tag galt der Entspannung. Diesen verbrachten wir am Pool des Gezira Garden- Hotels, dass ebenfalls dem Eigentümer unseres Hotels gehört. Als Gäste des Al-Gezira-Hotels durften wir die Pool- Anlage des Gezira Garden- Hotels kostenlos mitbenutzen.

Am späten Nachmittag unternahmen wir noch einen etwa eineinhalbstündigen Eselritt durch die angrenzenden Siedlungen entlang des Nils. Die Eindrücke, die man auf dem Rücken eines Esels, dem nach wie vor gängigsten „Transportmittel“ Ägyptens sammeln kann, stellen ein „Muss“ eines jeden Ägypten-Urlaubs dar. Die Alternative wäre ein Kamelritt.


Tag 7: Abydos und Dendera

Für 400 Pfund unternahmen wir am siebenten Urlaubstag einen von unserem Hotel vermittelten Taxiausflug nach Abydos und Dendera. Die Taxifahrt sollte unbedingt mindestens einen, besser zwei Tage vorher angemeldet werden, da diese vom Taxifahrer den ägyptischen Behörden angezeigt werden muss. Die Gegend um Abydos zählt immer noch als Krisenregion, in der es – trotz verstärkter Polizeipräsenz – gelegentlich zu extremistischen Übergriffen auf Touristen kommen kann. Auf der Fahrt nach Abydos, das ca. 150 km nördlich von Luxor auf der Westseite des Nils liegt, kommt man an unzähligen Polizeistationen vorbei, an denen unsere Daten aufgenommen und abgeglichen wurden. Insofern wurden wir auch von den jeweiligen Polizeistationen vor Ort immer schon „erwartet“.

Abydos war in pharaonischer Zeit die heiligste Stadt Ägyptens, zu der die Ägypter einst zumindest einmal in ihrem Leben pilgerten, in der Hoffnung dort begraben zu werden. Aus diesem Grunde wurden viele Gräber mit Malereien versehen, die die Reise der Verstorbenen nach Abydos darstellen. Abydos war einst eine große Wehrsiedlung mit antiken Grabstätten und Tempeln, von denen heute nur noch der Tempel von Sethos I. aus der 19. Dynastie erhalten ist. Er gehört dafür aber zu den besterhaltensten Tempel in Ägypten.
In Abydos ließ uns das Buch von Kent R. Weeks das erste Mal so richtig im Stich. Abydos wird nur als Tempel außerhalb von Luxor beschrieben und daher zu kurz dargestellt. Zwar weist er auf alle wichtigen Daten und Hieroglyphen hin, beschreibt die Wege und den Rundgang jedoch gnadenlos oberflächlich und irreführend. Die Königsliste von Abydos, die Ramses mit Sethos und einem Papyrus zeigt und auf dem die Namen der früheren Pharaonen abgebildet sind, war eines der Highlights. Faszinierend sind ebenfalls die Scheintüren in den Kapellen der 2 Hypostylhalle.
Ein kurzes Päuschen bietet sich im nahegelegenen Restaurant (im Park außerhalb der Tempelanlage) an, wo man für 20 LE pro Person ein gut schmeckendes und reichliches Mitttagessen genießen kann.

Auch der ca. 70 km nördlich von Luxor befindliche Hathor- Tempel in Dendera gehört zu den gut erhaltenen Tempel in Ägypten. Dies liegt daran, dass er bis zu Beginn der Ausgrabungen im 19. Jahrhundert zu einem Großteil im Wüstensand versunken war, was viele Fresken vor Vandalismus bewahrte. Der Tempel stammt aus ptolemäischer Zeit, ist in seinem Aufbau jedoch der klassischen pharaonischen Tempelarchitektur nachempfunden.
Sehr bekannt und oft in Büchern abgebildet sind die Kapitelle der Säulen mit dem für Dendera typischen Hathorabbild. Aufgrund der gut erhaltenen Bausubstanz sind in vielen Räumen noch die damaligen Lichtverhältnisse vorhanden, etwas, das Dendera nahezu einmalig macht. Der Tempel bietet viele historische Highlights, so z.B. eine Decke mit einem Tierkreiszeichenrelief, das aber nur noch als Gipsnachbildung zu sehen ist, da sich das Original in Paris befindet, die Tempelfassade sowie ein Relief, das Cleopatra zeigt, die der Göttin Hathor Opfergaben darbietet, wobei ihr und Julius Cäsars gemeinsamer Sohn Cäsarion vor ihr steht und eben die einmaligen Lichtverhältnisse.


Von Luxor sollten Sie frühzeitig starten, dann schaffen Sie alles mühelos.

Tag 8: Medinet Habu; Wanderung zum Hatschepsut-Tempel
An diesem Tag besichtigten wir Medinet Habu, die heute noch existierende zweitgrößte Tempelanlage nach dem Karnaktempel.
Da Medinet Habu abseits aller Tagesausflugstouren liegt, gibt es auch hier kaum Touristen und man kann fast sicher sein, irgendwann einen Säulensaal oder einen anderen Tempelbereich nur für sich alleine zu haben.
Auf diesem großflächigem Gebiet befinden sich der große Totentempel Ramses III., einen Tempel der Hatschepsut, der unter Thutmosis III. umgebaut wurde, der Totentempel des Haremhab und Gräber einiger Gottesgemahlinnen des Amun. Die Tempelanlage wird dabei von dem großen Totentempel Ramses III. geprägt. Pylonen und Wände zeigen die ruhmreichen Kriegstaten Ramses III.
Wenn Sie nach Kent R. Weeks gehen und wirklich alles sehen möchten, sollten Sie gut 3 Stunden Zeit einplanen. Die Cafeteria direkt gegenüber des Eingangs des Tempels bietet gutes Essen zu guten Preisen und der Inhaber Abdel Salah kann ihnen freundlich und sehr korrekt auf Deutsch jede Auskunft geben – egal, was Sie ihn fragen.

Im Anschluss daran wanderten wir analog der Beschreibung zum Tag 5 über die Berge zum Hatschepsut- Tempel mit grandiosen Aussichten auf diesen.


Am Abend gab es Bauchtanz, Lifemusik und ein großartiges Buffet im Gezira Garden- Hotel.

Tag 9: Isis- Tempel; Ramesseum
Am neunten Tag fuhren wir mit unseren ausgeliehenen Fahrrädern am Medinet Habu- Tempel vorbei an Resten eines Tempels Amenophis III., der heute als Spielplatz und Müllkippe Verwendung findet, zum Isis- Tempel, der sich einige Kilometer südlich von Medinet Habu befindet.
Dieser ist nur auf alten ägyptischen Karten beschrieben. Unsere beiden Reiseführer erwähnen zu diesem Bauwerk leider kein Wort. Wer sich den Weg noch einmal genau beschreiben lassen möchte, der sollte in der Cafeteria gegenüber des Medinet Habu Tempels nachfragen.
Am Nachmittag besuchten wir das Ramesseum, eine auf Ramses II. zurückgehende Tempelanlage.
Obwohl die Anlage weitgehend zerstört ist, vermittelt gerade die zusammengebrochene, ehemals 18 Meter hohe Kolossalstatue von Ramses II., deren Trümmer sich noch teilweise in der Anlage befinden, einen Eindruck von unvorstellbarer Größe.
Das Ticket muss man vorher am Ticketschalter kaufen, bei dem Sie, wenn Sie vom Isistempel kommen, zwangsweise vorbeifahren müssen.


Tag 10: Tal der Affen; Grab des Eje; Carter- Haus

Am 10. Tag wanderten wir zum Grab des Eje. Die Grabanlage befindet sich in einem Nebental des Tales der Könige, in dem nur vier bislang bekannte Gräber liegen und nur dieses für Besucher zugänglich ist. Man kauft am Ticketschalter am Eingang zum Tal der Könige die Eintrittskarte und wandert dann in westliche Richtung außerhalb des Eingangsbereichs zum Tal der Könige entlang eines ca. 2 km langen Wüstentales, dem sog. „Tal der Affen“, dessen atemberaubende steile Wände und Felsen sich mehrere 100 Meter über den Talboden erheben.

Leider wurde uns ein Polizist mit Maschinengewehr ausgestattet als Begleitschutz mitgegeben, den wir beim besten Willen nicht abschütteln konnten. Er muss mitgehen und damit chalas! Natürlich erwartet der Polizist, am Gran angekommen, das obligatorische Bakshish. Schließlich hat er Sie ja heil ans Ziel gebracht. Wenn man hier mit dem Bakshish etwas großzügiger verfährt, kann man dann zumindest den Rückweg ohne lästigen Begleitschutz antreten. Alternativ kann man wahrscheinlich auch am Grab solange ausharren, bis der Begleiter von selbst entnervt zurückgeht. Wenn Sie ohne Polizeischutz zum Grab möchten, dann müssen Sie mit dem Taxi fahren. Jedoch entgeht ihnen dann die einzigartige Wanderung durch das Wüstental. 



Auf dem Weg kommt man zunächst an einem Steinhaus vorbei, dass dem amerikanischen Ausgräber Theodore Davis, der einst mit Howard Carter teilweise gemeinsam auf „Schatzsuche“ ging, als Quartier diente.

Weiter führt der Pfad an dem Grab Amenophis III. vorbei. Die im Reiseführer von Kent R. Weeks beschriebenen angeblich vorhandenen Überreste des Hollywood- Films Sphinx (Säulen etc.) konnten wir jedoch nicht auffinden. Entweder müssen wir mit Blindheit geschlagen gewesen sein, diese wurden unterdessen entfernt oder Herr Weeks hat sich da erneut etwas vertan, was in seinem Reiseführer schon gelegentlich vorgekommen ist.

Am Nachmittag besichtigten wir von außen das Haus des britischen Archäologen Howard Carter, der durch die Entdeckung des Grabes des Tut Ench Amun im Jahre 1922 Berühmtheit erlangte. Das Haus steht einsam auf einer Anhöhe in der Nähe des Tempels Sethos I.



Es ist für uns unfassbar, dass man dieses Haus noch nicht als Touristenattraktion und Geldquelle entdeckt hat. Zwar finden sich im Reiseführer von Vis a Vis Ausführungen dahingehend, dass Pläne bestünden, das Haus in ein Museum umzuwandeln, jedoch sieht man vor Ort keinerlei Bemühungen in diese Richtung.

Im Anschluss daran machten wir uns anhand einer Beschreibung aus dem Reiseführer eines anderen Touristen (Reise know how) auf die Suche nach dem Thot- Tempel, der einzigen Tempelanlage Ägyptens, die auf dem Gipfel eines Berges errichtet wurde. Hätten wir doch lieber auf die Informationen des Besitzes des Restaurants gegenüber dem Medinet Habu- Tempel vertraut… Wir liefen zwar über alle möglichen Berge und durch alle möglichen Täler, aber den Tempel konnten wir nicht finden. Wir haben uns unsäglich verlaufen und kamen teilweise über Wege, die nur wenige Zentimeter breit und weg vom Abgrund waren. Es ist zwar leicht, die Orientierung zu behalten, da man das Ziel bzw. den Berg vor Augen hat, aber noch heute sind wir froh, dass wir wieder heil und in einem Stück unten angekommen sind. Nichts für schwache Nerven!



Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Wegbeschreibung in diesem Reiseführer einfach nur lächerlich ist! Wir nahmen uns vor, das Unternehmen zu wiederholen.

Tag 11: Quad- Safari; Deir el Medina

Am 11. Tag unseres Urlaubs unternahm der männliche Teil unserer zweiköpfigen Reisegemeinschaft eine Quad-Safari durch die Steinwüste auf der Westseite des Nils. Das musste einfach sein.

Der weibliche Teil nutzte die Zeit zum Besuch von 3 Gräbern in Deir el Medina. Sehenswert ist das Grab von Peschedu (TT3), für das am Ticketschalter eine Extrakarte gekauft werden muss. Eine Eintrittskarte beinhaltet hier nur den Besuch von 2 Gräbern und den Ptolemäischen Tempel.


Tag 12: Sethos- Tempel

An diesem Tag stand der Besuch des Tempels Sethos I. auf dem Plan. Er liegt etwas abseits der üblichen Touristenrouten. Der Tempel wurde für dessen eigenen Totenkult und den seines Vaters Ramses I. gebaut. Der Grabtempel Sethos I. wurde von seinem Sohn Ramses II. fertiggestellt. Leider befindet sich der Tempel in schlechtem Zustand. Von den Pylonen und Innenhöfen ist nur wenig erhalten geblieben.

Die Eintrittskarte kann ausschließlich am Ticketschalter gekauft werden.


Tag 13: Thot- Tempel

Am 13. Tag starteten wir das Unternehmen Thot- Tempel erneut. Diesmal wählten wir die richtige Route, die direkt hinter der neuen, in die Wüste gestampften, Plattenbausiedlung von Gurna beginnt (von der Polizeistation an der Kreuzung der Straßen vom Tal der Königinnen Richtung Qena und vom Tal der Könige Richtung Sethos-Tempel muss man ca. 3 Kilometer gerade aus Richtung Qena fahren und in der neuen Siedlung von Gurna bis zum hintersten Block gehen bzw. sich mit dem Taxi dort hin fahren lassen). In diese Siedlung wurden die Einwohner von (Alt)-Gurna zwangsumgesiedelt, da diesen vorgeworfen wurde, auf dem Gelände ihrer alten Siedlung im Gebiet der Gräber der Adligen illegale Grabungen veranstaltet zu haben. Wir hatten Glück mit unserem Taxifahrer und wurden direkt hingefahren. Die Räder ließen wir im Hotel, da abzusehen war, dass eine Bergwanderung unsere letzten Kraftreserven vollkommen ausnutzen würde.

Jedenfalls muss man auf einem anfangs schwer erkennbaren Pfad, teilweise über eine Müllhalde, ca. 5 Kilometer weit bis hoch oben in das thebanische Westgebirge wandern, um die Reste des sich auf einem Bergplateau befindlichen Ziegeltempels zu finden.

Der Weg dorthin ist äußerst anstrengend und steil und sollte nur bei annehmbaren Temperaturen angegangen werden. Deshalb gebietet es die Vernunft, reichlich Wasser mitzunehmen. Schattenplätze, in denen man sich kurz ausruhen kann, gibt es kaum. 

Über den Erbauer des Tempels herrscht Streit. Nach überwiegender Ansicht soll er aber zumindest dem Gott Thot geweiht gewesen sein und die älteste, erhaltene Pylonstruktur in Ägypten vorweisen. Im Internet gibt es eine sehr interessante Seite, in der auf die Geschichte dieses Tempels eingegangen wird. Im Übrigen findet man auf dem Thot- Berg unzählige, über 50 Millionen Jahre alte, versteinerte Muscheln.

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Gebirge durch Auffaltung aufgrund von tektonischer Aktivität großer tief liegender Gesteinsfraktionen und dem damit verbundenen Vulkanismus entstehen. Das Libysche Gebirge auf der Westbank von Luxor (bis zu 500 m hoch) entstand durch Auffaltung vor etwa 50 Mio. Jahren. Vor dieser Zeit bedeckte ein Meer das gesamte Areal.

Stolz auf uns selbst und glücklich kamen wir abends im Hotel wieder an. Der Weg ist zweifellos anstrengend, der Tempel eher ein altes Mäuerchen, aber es lohnt sich jeder Schweißtropfen. Es war, nicht nur im wörtlichen Sinne, atemberaubend!


Tag 14: Wanderung zum Hatschepsut- Tempel; Bazar

An unserem letzten Urlaubstag nahmen wir nochmals die wunderbare Wanderung von Deir el Medina zum Hatschepsut-Tempel in Angriff.
Nachmittags ging es dann für Einkäufe über den Bazar von Luxor und abends spazierten wir ein letztes Mal an der Corniche, der Uferstraße von Luxor entlang und danach zum Karnak-Tempel.
Ursprünglich verband eine Sphinxenallee den Luxor- mit dem Karnaktempel. Und genau diesen Weg wollten wir gehen. Wir haben ihn auch gefunden, sind jedoch nicht mehr in der Lage zu beschreiben, wie wir gegangen sind. Hier halfen uns einfach nur ein gutes Orientierungsvermögen und die Vorstellungskraft, wo die Straße liegen muss. Es war jedoch traurig und erschütternd. Teilweise sind die Sphinxen ausgegraben, teilweise noch unter Straßen und Häusern verborgen. Die Ausgegrabenen sind in einem erbärmlichen Zustand, dienen als Klettergerüst oder Wäscheleinenhalter und rotten so vor sich hin.

Am Tag darauf ging es dann zurück nach Deutschland.
Anschließend noch einige nützliche Tipps:

- National Geographic Art Guide von Kent R. Weeks
- unbedingt auf die Reisezeit achten (Wintermonate wählen)
- Hotel auf Westbank buchen
- die öffentliche Fähre für 1 LE pro Person statt eines Motorbootes benutzen
- unbedingt mit dem Fahrrad fahren
- niemals Wasser vergessen
- Tickets immer vorher am Ticketschalter kaufen
- immer Kleingeld in ausreichender Menge mitnehmen, denn jeder, und damit meinen wir
  JEDER, beansprucht ein Bakshish
- bei Fotos von Wänden und Hieroglyphen Partner (oder einen Wächter, der sowieso nicht
  aus dem Bild gehen würde) wegen eines Vergleichsmaßstabes mit fotografieren
- immer ein freundliches, aber bestimmtes „la shoukran“ für „Motorboot“, „Taxi“, „Feluka“,
  „Kartusch“ etc. auf den Lippen tragen